Rund zwei Drittel der deutschen Versicherungskunden würden sich für ein nachhaltiges Versicherungsprodukt entscheiden – selbst dann, wenn es bis zu fünf Prozent mehr kostet. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Studie von Guidewire. Bei jüngeren Kunden zwischen 25 und 34 Jahren liegt die Zustimmung sogar bei 78 Prozent. Und nachhaltig orientierte Kunden würden nicht nur mehr bezahlen, sondern sie sind in der Regel auch loyaler, insgesamt wirtschaftlich interessanter und vor allem verursachen sie weniger Schäden. Das bestätigen weitere ältere Analysen.
Die Forschenden identifizierten vier Nachhaltigkeitstypen unter den Befragten: die „Nachhaltigkeitsignoranten“, „Nachhaltigkeitsrhetoriker“, „einstellungbasiert Nachhaltige“ und „informationsbasiert Nachhaltige“. Diese Gruppen unterscheiden sich nicht nur in ihrem Umweltbewusstsein, sondern vor allem im Schadensverlauf. So zeigen die informationsbasiert Nachhaltigen – also jene mit fundiertem Nachhaltigkeitswissen – deutlich weniger Schadenhäufigkeit und geringere Schadenssummen etwa in Kfz‑Haftpflicht und Hausratversicherung. Dagegen weisen die Nachhaltigkeitsrhetoriker (die Nachhaltigkeit nur rhetorisch vertreten) und Ignoranten die höchsten Schadenhäufigkeiten und Schadenhöhen auf, vor allem bei Hausrat- und Kfz‑Haftpflichtversicherungen.
Nachhaltigkeit ist gefragt – aber oft nicht im Angebot
Doch zwischen dem Wunsch nach nachhaltigen Produkten und der Wirklichkeit klafft eine Lücke. Rund 90 Prozent der deutschen Versicherungskunden wünschen sich nachhaltige Produkte, doch weniger als ein Viertel haben bislang eine entsprechende Police abgeschlossen, so Studien von EY und BearingPoint.
In der EY-Studie heißt es: „Der interessierte Kundenkreis… ist… zwar groß, doch ein großer Teil fühlt sich noch recht verloren. Denn aktuell würden 45 Prozent dieser Zielgruppe keine Versicherungsgesellschaft als besonders nachhaltig bezeichnen – sie wissen also gar nicht, an wen sie sich mit ihrem Nachhaltigkeitsbedürfnis wenden können. Dies erklärt auch, warum über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) für ein nachhaltiges Versicherungsprodukt zu einer neuen Versicherung wechseln würde.“ Die Herausforderung liegt also weniger in der Nachfrage, sondern im tatsächlichen Produktangebot und der Beratung.
Was das für die Beratung bedeutet
Für Vermittler ergibt sich daraus ein strategischer Hebel. Nachhaltige Versicherungsprodukte lassen sich nicht nur als Beitrag zum Klimaschutz darstellen, sondern auch als Signal für langfristig stabilere Kundenbeziehungen. Wer sich ökologisch verantwortlich verhält, handelt auch in anderen Lebensbereichen strukturierter – inklusive Versicherungsabschluss, Schadenvermeidung und Vertragsbindung. Vermittler, die ihre Kunden entsprechend segmentieren, können zielgerichtet beraten, nachhaltige Angebote platzieren und gleichzeitig die Qualität ihres Bestands steigern. Nachhaltigkeit wird so zur wirtschaftlichen Chance – für Vermittler, Kunden und Versicherer gleichermaßen.
Der nachhaltige Marktplatz bessergrün bildet genau hier eine Schnittstelle zwischen Versicherer, Vermittler und nachhaltiger Kunde. Diverse Versicherungen, Energieprodukte, aber auch Finanzen sowie Reise und Mobilität haben hier ihren Platz und liefern einen Mehrwert für die Umwelt.