Ungeachtet des politischen Gegenwinds, den der Nachhaltigkeitsgedanke derzeit international erfährt, haben sich auch Versicherungen längst auf den Weg in eine „grünere“ Zukunft gemacht – aus eigener Einsicht ebenso wie auf wachsenden Druck der Kunden hin. Mit ihrer wirtschaftlichen Schlagkraft hat die Versicherungsbranche die Möglichkeit, Nachhaltigkeit auf nationaler Ebene spürbar voranzutreiben. Wie das gelingt, zeigen wir an Beispiele aus anderen Ländern entlang der vier Dimensionen Anlagepolitik, operativer Betrieb, Tarifgestaltung und Schadenregulierung.

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Anlagepolitik: Der Tanker schwenkt um
Mit den von ihnen verwalteten Multimilliarden-Vermögen verfügen Versicherer über enorme Gestaltungsmacht. Die wollen immer mehr Konzerne für eine nachhaltige Transition einsetzen – schon weil sie selbst von klimabedingt wachsenden Schäden betroffen sind. Doch das Asset-Management der Versicherer ist wie ein Megatanker: Der Richtungswechsel braucht Zeit. Laut der europäischen Versichereraufsicht EIOPA sind weniger als 5 Prozent der direkten Unternehmensanleihen und Aktien im Vermögen der Assekuranz Taxonomie-konform angelegt.
Als weit vorn gelten die Skandinavier: So bauen die schwedischen Versicherer Länsförsäkringar und Folksam gezielt Green-Bond- und nachhaltige Hypotheken-Programme aus und haben sich klare Zwischenziele in Richtung emissionsärmerer Portfolios gesetzt. Auch die großen US-Versicherer lenken immer mehr Kapital in nachhaltige Assets. Der Branchenriese Prudential/PGIM etwa treibt sowohl die Integration von ESG-Faktoren in Kernprozesse als auch separate thematische ESG- und Impact-Allokationen voran. Massachusetts Mutual meldet, dass bereits 97 Prozent seiner General Investment Accounts von Managern verwaltet werden, die die Principles for Responsible Investment (PRI) der UN unterzeichnet haben.
Operativer Betrieb: Ziel Klimaneutralität
Auch die Versicherer selbst verbrauchen Ressourcen und verursachen Emissionen, um funktionieren zu können. Weit fortgeschritten ist international die Umstellung auf das papierlose Büro, einschließlich der Kundenkommunikation. Das Ziel Klimaneutralität im eigenen Betrieb haben sich Versicherer weltweit auf die Fahnen geschrieben, etwa die japanische Tokio Marine sowie Swiss Re und Zurich. Einen Baustein bilden meist Fuhrparks mit E-Fahrzeugen, einen weiteren energieeffiziente Gebäude (-bewirtschaftung). Um ihren Öko-Fußabdruck zu reduzieren, setzt etwa die britische Gesellschaft Aviva zudem auf komplett nachhaltige Lieferketten.
Tarifgestaltung: Anreize für grünes Verhalten
Tarife können über Prämienanreize aktiv steuern und die Kunden zu klimafreundlichen Maßnahmen motivieren. So sind in den USA und in Großbritannien schon seit mehreren Jahren „Green Home“-Rabatte für zertifizierte, energieeffiziente Häuser (LEED, Energy Star) verbreitet, wie sie etwa die Anbieter Allstate und Farmers Insurance einräumen. Auch Beitragsnachlässe und Cashback für nachgerüstete Wärmepumpen oder isolierte Dächer sind etwa in Skandinavien üblich. Der norwegische Versicherer Gjensidige beispielsweise verfolgt im Underwriting dezidiert Nachhaltigkeitsstandards. Daneben finden Wasserstopp-Präventionssysteme immer mehr Verbreitung, wie sie etwa Ondo im Vereinigten Königreich und der kalifornische Versicherer Hippo als Teil eines ganzheitlichen Smarthome-Pakets zur ressourcenschonenden Hausbewirtschaftung anbieten.
Schadenregulierung: Reparieren, und zwar nachhaltig
Die vierte Dimension der Versicherer-Nachhaltigkeit nutzt die Lenkungswirkung der Schadenregulierung. Im Zentrum steht der Gedanke: reparieren statt ersetzen. So belohnt Aviva mit einem „Green Claims“-Programm die Reparatur und die Wiederverwendung von Bauteilen. Sogenannte Green-Upgrade-Endorsements bieten mittlerweile zahlreiche britische und US-Versicherer an: Sie übernehmen im Schadenfall Mehrkosten, wenn statt konventioneller Materialien energieeffiziente und gegebenenfalls zertifizierte Lösungen eingesetzt werden – inklusive Entsorgung bzw. Recycling alter Baustoffe. Ein prominentes Beispiel ist Chubbs mit seiner „Green Standards Upgrade Coverage“ für energieeffiziente Materialien. Auch AXA honoriert das Reparatur-vor-Austausch-Prinzip und eine nachhaltige Wiederherstellung.
Versicherungen mit Nachhaltigkeitsfokus stehen zunehmend im Fokus der Kundinnen und Kunden. Dieses Bewusstsein ist weltweit im Aufbruch und gewinnt spürbar an Dynamik.