Was viele nicht wissen: Diese Geisternetze gehören zu den gefährlichsten Abfällen im Meer. Sie fischen weiter – völlig unkontrolliert – und gefährden Meerestiere, Ökosysteme und Küstenregionen. Umso entscheidender ist es, dass die geborgenen Netze nicht im Müll landen, sondern in einen nachhaltigen Kreislauf zurückgeführt werden.
Vom Meeresgrund in den Wertstoffkreislauf
Die geborgenen Netze werden nicht einfach entsorgt. Stattdessen übernehmen Unternehmen wie Aquafil in Italien die Weiterverarbeitung. Aquafil ist einer der führenden Anbieter, der aus alten Nylon-Abfällen – darunter auch große Mengen Fischernetze – das regenerierte Garn ECONYL® herstellt.
Aus ECONYL® entstehen anschließend neue Produkte: Armbänder, Taschen, Rucksäcke, Teppiche, Socken und sogar Luxusmode. Ein Beispiel dafür, wie aus einer unsichtbaren Umweltgefahr ein wertvoller Rohstoff werden kann.
Doch nicht alle Netze werden zu Garn verarbeitet. Einige bleiben in ihrer ursprünglichen Form erhalten und bekommen direktes zweites Leben. Ein Unternehmen, das sich genau darauf spezialisiert hat, ist Bracenet aus Hamburg – ein Social Business, das mit handwerklicher Verarbeitung und viel Engagement dem Problem der Geisternetze begegnet.
Bracenet: Wenn aus Geisternetzen Verantwortung wird
Das Hamburger Unternehmen Bracenet arbeitet seit Jahren mit geborgenen Geisternetzen. Das Team reinigt, sortiert und verarbeitet die Netze in Handarbeit zu langlebigen Produkten wie Armbändern, Schlüsselanhängern, Hundeleinen oder Accessoires. Jedes Stück ist ein Unikat – und trägt sichtbar die Spuren seiner Vergangenheit im Meer.
„Das Thema Geisternetze hat mich zum ersten Mal wirklich erschüttert, als ich selbst gesehen habe, wie viel verlorenes Fischereimaterial in unseren Meeren treibt“, erzählt Benjamin Wenke, Gründer von Bracenet. „Vor über zehn Jahren haben Madeleine von Hohenthal, meine Gründungspartnerin und ich in Tansania gesehen, wie sich Netze im Wasser verfangen hatten – und Tiere, die darin ums Überleben kämpften oder bereits verendet waren.“
Dieser Moment war die Initialzündung für das Unternehmen: „Uns wurde klar, dass das nicht nur Müll ist, sondern eine dauerhafte, unsichtbare Bedrohung. Wir wollten nicht nur darüber reden – wir wollten handeln.“
Heute arbeitet Bracenet eng mit Healthy Seas, Ghost Diving und weiteren Organisationen zusammen. Über 770 Tonnen Netze wurden laut Angaben der Partner bereits geborgen – ein Teil davon landet direkt in den Werkstätten von Bracenet in Hamburg und Porto.

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Ein zweites Leben für verlorene Netze
Die Arbeitsprozesse hinter dem Upcycling sind aufwendig:
Die Netze werden getrocknet, gründlich gereinigt, von Fremdstoffen befreit und anschließend per Hand sortiert. Viele davon bestehen aus Nylon 6, einem hochwertigen Kunststoff, der auch für die spätere Regeneration zu ECONYL® genutzt wird.
So entstehen zwei Prozesse:
- Der industrielle Kreislauf: Netze werden zu ECONYL® und anschließend zu neuen Produkten weiterverarbeitet.
- Der handwerkliche Kreislauf: Bracenet verwandelt die ursprünglichen Netze direkt in sichtbare, fühlbare Produkte, die ihre Herkunft nicht verstecken.
„Mich motiviert, dass jedes Stück Geisternetz, das wir bergen, eine direkte Verbesserung für das Meer darstellt. Diese Netze sind echte Todesfallen, die einfach weiterfischen, selbst dann, wenn sie längst abgerissen sind“, sagt Benjamin Wenke über seine persönliche Motivation im Kampf gegen Geisternetze. „Es erfüllt mich, dass wir ein Umweltproblem nicht nur lösen, sondern sichtbar machen und daraus etwas Sinnvolles kreieren. Diese Verbindung aus Naturschutz, Handarbeit und Aufklärung treibt mich jeden Tag an.“

Laura Agena (Nordseeheilbad Esens-Bensersiel), Benjamin Wencke (Bracenet) und Vanessa Schmidt (bessergrün) mit den geborgenen Geisternetzen.
Gemeinsam mehr bewirken: die Bedeutung der Partnerschaften
Aktionen wie die von bessergrün sind ein bedeutender Baustein dieses Kreislaufs. „Für mich bedeutet diese Unterstützung unglaublich viel“, sagt Benjamin Wenke. „Jeder Partner, der an das Thema glaubt und uns beim Bergen oder Verarbeiten der Netze unterstützt, verstärkt unseren Impact. bessergrün zeigt, dass Umweltschutz kein Nischenthema ist, sondern ein Wert, den man aktiv leben kann.“
Die gemeinsame Arbeit sorgt dafür, dass mehr Netze aus den Meeren geholt werden – und dass mehr Menschen erfahren, wie groß das Problem ist.
Umweltschutz ist konkret, messbar und direkt erlebbar
Besonders in der Beratung gegenüber Unternehmen und Kunden, die Wert auf verantwortungsvolles Handeln legen, wird es zunehmend wichtig, glaubwürdige Beispiele nennen zu können. Die Geisternetz-Aktion zeigt, wie Nachhaltigkeit funktioniert, wenn Initiativen, Unternehmen und andere zusammenwirken.
Die von bessergrün geborgenen Netze erhalten ein neues Leben und gleichzeitig entsteht ein Bewusstsein für die Verantwortung, die wir alle tragen für unsere Meere, für unsere Umwelt sowie für kommende Generationen.