Versicherungskonzerne berichten regelmäßig über ESG-Initiativen, doch bei Vermittlern vor Ort spielt Nachhaltigkeit oft kaum eine Rolle. Von fast 100.000 gebundenen und über 70.000 registrierten Maklern nutzen nur sehr wenige Nachhaltigkeit als klaren Wettbewerbsvorteil – sei es im Markenauftritt, in der Beratung oder im Marketing.
Doch genau dort, wo manche noch auf „ein bisschen grün“ hoffen, stehen rechtliche und reputative Veränderungen bevor.
EmpCo und UWG: Das Ende des unreflektierten Greenwashings
Die EU-Richtlinie Empowering Consumers for the Green Transition (EmpCo, Richtlinie (EU) 2024/825) verpflichtet Vermittler, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen klar, belegbar und transparent zu kommunizieren.
Ab dem 27. September 2026 gelten die Regeln in der gesamten EU und werden in Deutschland über das UWG verbindlich umgesetzt. Vage Aussagen wie „klimaneutral“, „nachhaltig“ oder selbst erstellte Nachhaltigkeitssiegel ohne externe Prüfung werden rechtswidrig und abmahnfähig. Auch reine Kompensationsversprechen, etwa durch CO₂-Zertifikate, werden stark eingeschränkt.
Schweigen ist keine Strategie
Viele Vermittler vermeiden Kommunikation aus Angst vor Greenwashing-Vorwürfen. Diese Sorge ist berechtigt: Pauschale Umweltaussagen können abgemahnt werden. Nach EmpCo wird der Spielraum noch enger.
Doch Schweigen kostet Vertrauen. Kunden erwarten zunehmend transparente Informationen. Seriöse, belegbare Nachhaltigkeitskommunikation kann echten Differenzierungswert schaffen und rechtliche Risiken minimieren.
Glaubwürdige Nachhaltigkeit umsetzen
Zwei zentrale Aufgaben stehen nun im Fokus:
- Datenfundament schaffen:
Umwelt- und Sozialinformationen müssen messbar, transparent und dokumentiert sein – z. B. durch Lebenszyklusanalysen, externe Audits oder anerkannte Standards. - Kommunikation faktenbasiert gestalten:
Statt allgemeiner Claims: Welche Verbesserungen wurden konkret erzielt? Wie wurden Daten erhoben? Welche externe Prüfung oder Zertifizierung liegt vor? Nur so erfüllt die Kommunikation EmpCo-Vorgaben und die Erwartungen der Kunden.
Ein neuer Maßstab für die Branche
Initiativen wie REIMAGINE 2050 oder bessergrün zeigen, wie Nachhaltigkeit systematisch verankert werden kann. Weg von unscharfen Selbstzertifizierungen, hin zu klaren Standards, belastbaren Daten und transparenter Kommunikation.
So wird Nachhaltigkeit kein Marketing-Label, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie – messbar, überprüfbar und kontinuierlich weiterentwickelt. Für Vermittler und Versicherer, die sich nachhaltig differenzieren wollen, ist das längst keine Imagefrage mehr – sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.